Christen willkommen

Christen: Ich weiß wirklich nicht mehr, was das sein soll.

Die traditionell-klerikalen Christen erzählen mir, dass die anderen irgendwelche obskuren Sekten seien, jene wiederum, die großen Kirchen hätten herzlich wenig mit dem wahren Christentum zu tun.

Insgesamt ist der Haufen, der sich in Deutschland Christen nennt, so amorph, einerseits in seiner offiziellen Wachsweichheit gegenüber dem Islam so unstrukturiert, andererseits, wo Ablehnung desselben begründet wird, meist selbst so bigott-fundamentalistisch aufgestellt, dass es einem die Tränen in die Augen treiben könnte, sähe man in den Christen eine gewachsene Kraft zur Rettung der Werte des aufgeklärten Abendlandes.

Ich meine inzwischen, dass man in der Verteidigung von freiheitlichen Werten die Hand zu “den” Christen immer ausgestreckt halten sollte, indes nicht viel dareinsetzen, von dorther also mutige wie vernünftige Unterstützung zu erhalten, wo es durch die vom Islam bedrohte Meinungs- und Kunstfreiheit geht.

Da müssen die “absolut Ungläubigen” (also Nichtchristen und Nichtjuden) wohl mal wieder ihr Päckchen weitgehend alleine schultern, zunächst jedenfalls, so wie es für mich sich darstellt.

Wer es ähnlich sieht, sollte sich meiner Ansicht nach einmal darüber Gedanken machen, ob dies nicht schlichtemang offenzulegen sei; ich sehe jedenfalls noch eher die Möglichkeit auf “christlichen Beistand”, wenn man auf diesen auch deutlich zu verzichten bereit zu sein sich erklärt, denn wenn man einem solchen hinterherhechelt.

Im Sinne einer säkularen Gesellschaft und ihrem Verhältnis zur Religion sehe ich einen Rückschritt um wenigstens Jahrzehnte: genauer um circa 120 Jahre, da Nietzsche das Christentum so kritisieren konnte, ohne Polizeischutz, wie es sich heute gegenüber dem Islam nicht nur wegen möglicher Attentäter, sondern womöglich wegen des Paragraphen 130 StGb sich keiner mehr verwagt.

Wer ehrlich hinschaut, wird sich dieser Feststellung kaum entziehen können.

Noch einmal: Die meisten Christen erscheinen derzeit unfähig oder selbst zu befangen, hilfreich (danke, Frau Merkel) zu wirken; den Juden kann man das Geschäft auch nicht alleine überlassen, denn das wäre nicht nur unfair ihnen gegenüber, sondern birgt auch Einseitigkeiten, alleine schon durch den Palästina-Konflikt; vorderhand sehe ich also nur, dass sich “die Ungläubigen”, unabhängig von ihrer großen Diversität, als Gruppe angesprochen fühlen und entsprechend handeln müssen, wofern sie ihre Eigenheiten bewahren wollen.

Auch da, das muss ebenfalls schonungslos gesagt werden, frage ich mich, wo sie sich alle verkriechen, die Buddhisten, Waldörfler, Agnostiker, Atheisten, Neuheiden, Hexen, Astrologen, vermeintlich Wissenden, Wissenschaftler, Historiker, kühlen Wassermänner, Emanzen, Liberalen, Libertären, Konservativen, Kulturbannerträger, Linken, Emanzipatorischen Fundamentalisten, Anarchisten, Freisinnigen, Freigeldler, FED-Abschaffer, vielleicht gar Selberdenker, kurzum, alle die anderen, jene gesichtslose Masse der Ungläubigen?

Sobald sie etwas deutlicher etwas zu sagen zu haben zu vermeinen sich zu vertrauen, sich anzuvertrauen, verkriechen sich viele unter einem Decknamen im Netz, sich darob noch für Helden haltend.

Und nicht wenige lassen sich auf Hetzseiten verlocken, wo man mal richtig unverantwortlich vom Leder ziehen kann, vor einen Karren gespannt, dessen Kutscher man nicht kennen mag.

Der  bestimmende christliche Klerus, sei er katholisch oder lutheranisch, um zum Ausgangspunkte zurückzukommen, taugt im Sinne der Meinungsfreiheit bezüglich auch Religionen derzeit wenig bis eher gar nichts; das gilt vom Konservativsten bis zur Heiligen Margot; sie möchten denn das Gegenteil beweisen.

Manchmal frage ich mich angesichts dieser Frage sogar, ob es eigentlich unabhängige Denker in diesem Lande noch gäbe, ob ich nicht etwa selber nur dächte, ich dächte noch selber?

Naja nee, der erste Teil war ernst, der zweite nur ein Scherz.

Gerade fand ich eine alte Schriftrolle neben meinem Bett, auf der steht:

“Der Papst, höret, Freie

Ist nicht Karl der Hammer

Nur ein Alter Jammer

Gleiches mit Lutscherschen, Anglikanern auch

Auf dem Bauch deren Brauch

Wer sollt’ Eure Freiheit bedingen

Wollt ihr sie nicht selbst errringen?”

Diesen Knittelvers muss mir ein Realtroll zwischen Bett und Schreibtisch gerollt haben, weswegen ich ihn, trotz seiner recht fragwürdigen Prosodie, gleichwohl als Beweismittel hier einstelle.

Huch! Da habe ich gerade einen Kommentar hereinbekommen, in dem stehet, ich sei in Wahrheit ein Geheimagent des Mossad, da ich jetzt, nach eifriger Vorbereitung und Tarnung in Islamkritik, dazu überginge, das Christentum im Geheimauftrage an den Schwanz des Islam zu binden, so findig, so heidnisch verbrämt, dass keiner solch schändliches Spiel zu erkennen vermöchte, außer natürlich dem Kommentator, er nennt sich “Subliminator42″, sowie den üblichen eingeweihten Kreisen.

Ich werde ihm dafür ein Runengrundstudium anempfehlen, auf dass er sich beim sich Weiterverrennen wenigstens ein bisschen auch weiterbilde.

In gewisser Weise läuft einem hier die Realität davon, wofern man sich nur ernsthaftig genug mit ihr beschäftigt. Deshalb das nur am Rande.

Wes wir jetzt bedürfen, das sind Unverkleisterte (Kleist-Lektüre verkleistert nicht, im Gegenteil).

Es sind Mutige.

Es sind Schaffende.

Christen gerne willkommen.

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3 Antworten zu “Christen willkommen”

  1. Karl-Josef Malo sagt:

    In meiner Eigenschaft als bibeltreuer Christ fühle ich mich in der Tat sehr, sehr einsam.

    Ich sende von dieser Stelle hier nun einen Hilferuf bzw. Lockruf (einschließlich an meine zukünftige bibeltreue Partnerin) in die Welt hinaus:

    Hallo Jesu Nachfolger/-in, ist da wer?

    Anscheinend ist niemand da. Sind wohl alle gerade dabei mit ihrem Handy nach Hause zu telefonieren. Wie schreibt man noch mal E.T. aus?

    Was die Ur-Christen so gefährlich macht, ist scheinbar ihre andere Bezeichnung von der ich im Text zu den Schriftrollen von Qumran gelesen habe. Darin werden Christen benannt als: Messianisch-revolutionäre-Fundamentalisten!

    Hört, hört!

    Wenn aber jemand schwerhörig ist, obwohl viele sehr leicht zur Hörigkeit erziehbar sind wie ich gemerkt habe, so könnte Folgendes daraus entstehen und so die Christen zur Gefahr für die ganze Welt werden lassen:

    Manische-revolutionssüchte-Fundamenteerschütterer!

    Kein Wunder also, dass sich so einer Gruppe niemand (mehr) anschließen möchte.

    Vorsicht Magnus, das Folgende hier aus Deiner Feder könnte von manchen als Gotteslästerung eingestuft werden:
    “das Christentum im Geheimauftrage an den Schwanz des Islam zu binden”
    Die Islamisten sollen nämlich auch nicht ohne sein, habe ich gehört. :)

    Der Nächste bitte!

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Josef

    “Die Islamisten sollen nämlich auch nicht ohne sein, habe ich gehört.”

    Bisher traute sich von denen jedenfalls hier noch keiner, gegen Dein Christentum aufzustehen.

  3. Karl-Josef Malo sagt:

    @ Magnus

    Deine Feststellung birgt wahrlich die WAHRHEIT in sich und quasi auch die Vermutung in sich, ob Islamisten Hammelburg meiden, aus welchem Grund auch immer.
    Hammelburg scheint demnach auch eine Hochburg des Christentums zu sein.

    Muss jetzt leider die Verbindung hier kappen.
    Bis bald!

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