Göller weist den Weg ins Paradies

Zeiten, in denen man absteigt, von anderen entsprechend behandelt und beäugt wird, sind in gewisser Weise weitaus lehrreicher als jene, in denen alles nach oben geht, Erfolg sich an Erfolg reiht.

Man wird gezwungen, sich auf das Wichtige, zumal seine inneren Werte zu besinnen; selbst wenn man sich mal besaufen sollte, wird man nie in der blöden Weise besoffen, die bei Erfolg jederzeit um die Ecke grinst.

“Ich habe noch ein Bier im Kühlschrank und eine Flasche Wein für den Abend” – wird zu einer Unabhängigkeits- und Reichtumserklärung ersten Ranges, wenn das Holz noch dafür reicht, die Küche warm zu halten und Pfannenkuchen aus den weise angelegten Vorräten zu backen.

Der als tüchtiger Mensch über seine Armut und Nöte noch lachen kann, ist mental in einer Größenordnung frei, die ihm zweihundert Schlange stehende Ferrari-Huren genausowenig verschaffen könnten wie ein Privatissime-Philosophie-Seminar bei Sloterdijk.

Wenn man Tag für Tag arbeitet, viel, dabei Kinder großzieht, gleichzeitig ein regelmäßig überzogenes Konto hat und weder Auto noch Urlaub mit dem Billigflieger, dann kann man sich überdies als ein besonders nützliches Mitglied der Gesellschaft sehen, zurecht: Man schafft den Nachwuchs bei für die Renten, schützt das Klima für und gegen die Idioten, man finanziert den Staat und damit alle, und, am allerwichtigsten, man finanziert durch die horrenden Überziehungszinsen zudem auch noch die Banken, ohne deren wohltäterisches Dasein wir alle garantiert verhungern müssten.

Man fühlt sich also rundum als Guter und Gerechter des Systems.

Manchmal muss man sich geradezu zur Ordnung rufen und ernstlich zusammennehmen, auf dass man vor Glückseligkeit nicht platzen möge.

Das ist der Glücksstress, der allein solch ein Dasein trüben kann: aber, ich sage Ihnen, er hält selten lange an.

Darüber hinaus ist es inzwischen immer leichter geworden, Glücksgenossen zu finden, denn immer mehr Menschen, die jeden Tag nicht bei einer Bank arbeiten, befinden sich in einer ähnlichen Lage.

Im Regelfalle handelt es sich dabei um sogenannte Zeitarbeiter, also Leute, die für Vollzeitarbeit in etwa soviel verdienen wie Hassan der Hassprediger auf Hatz IV.

Das macht einen dann noch guter und gerechter, wärmt die Seele bis zur wohligen Glut.

Zudem darf man neben der Arbeit auch noch soviel dazuverdienen, wie man will, ohne dass die ARGE einem auch nur einen Cent an Leistungen dafür abzöge; man lebt echte Freiheit, und weiß nicht nur das Wort in etwa zu buchstabieren.

Dadurch wird man auch immer noch sozialer: Man geht nicht zu den Tafeln, um dort kostenlos Essen abzuholen, denn das wäre ja gemein, da man immerhin Arbeit hat und das Wenige, was dort ausgereicht wird, ja nicht auch noch den Arbeitslosen wegverkonkurrieren will.

Arbeit ist schließlich ein Wert an sich: Wer dafür noch mehr Geld oder Wohlstand sich erheischt, als ein Nichtarbeitender, der ist wahrlich asozial, da er ihn ja gleich doppelt und dreifach übervorteilt, was sage ich, abzockt und überdies entehrt.

Die FDP, der ich als einziger im Bundestag vertretenen Partei solche Vernunft und ein gerechtes Leistungsdenken zutraue, sollte ein Gesetz einbringen, dass wer arbeitet (außer bei Banken, Versicherungen, der Polizei, dem Militär oder in der Politik natürlich) grundsätzlich nicht mehr Lohn erhalten darf, als ein Arbeitsloser.

Also wäre Gerechtigkeit in diesem faulen Staate endlich herzustellen.

Hätte z.B. ein Friedrich Schiller nicht für seine Arbeit arbeiten müssen, so hätte er jederzeit genügend Schnupftabak und Weissburgunder gehabt, dass er sich nicht hätte durch Hausstaubschnupfen und Wassertrinken die Gesundheit ruinieren müssen, um bereits mit 45 das Zeitliche zu segnen.

Jeder Depp im Reichstag wüsste darob heute, dass er mehr konnte als jener Göte.

Vielleicht sollte man auch die Arbeit für Lohn gleich ganz verbieten (außer natürlich bei…), um Endgerechtigkeit herzustellen.

Damit wüsste jeder, dass man nur zum Vergnügen arbeitet, und jeder hätte seinen Arbeitgeber ganz arg lieb.

An allen Arbeitsplätzen gewahrte man nur noch fröhliche und freundliche, Auren des Glücks verströmende Menschen, immer ein guruhaftes Lächeln auf den Lippen, die Erde würde zum Paradies zurückverwandelt, in dem keiner mehr im Schweiße seines Angesichtes seines Brotes wegen pickelt und ackert.

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3 Antworten zu “Göller weist den Weg ins Paradies”

  1. Batscher sagt:

    Ich suche vergeblich etwas über RUNEN bei Ihnen, wie kommt das, werter Herr Göller, dass Sie von diesen immens wichtigen urdeutschen Symbolen nichts auf Ihrer Seite abzumerken haben?

    ;-))

    Batscher

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    Lieber Batscher,

    wenn Sie in der Suchfunktion ziemlich weit oben rechts auf dieser Seite z.B. “Bundeswehr und Runen” eingeben, werden Sie schnell etwas dazu finden.
    Allerdings habe ich in der Tat dazu bislang zuwenig hier eingestellt.
    Daher danke für Ihre “Abmahnung”.
    Der Zufall will es aber, dass ich erst gestern Nacht noch mit einem echten Experten, vielleicht dem kompetentesten überhaupt, telefoniert habe, Herrn Gerhard Heß, dessen Werk “Oding-Wizzod”, erschienen im Knaur-Verlag 1993, ich Ihnen wärmstens empfehlen kann.
    Eine Runeneinführung für Kinder habe ich bereits verfasst, und nach Überarbeitung/Berichtigung hoffe ich auch, dieselbe hier bald veröffentlichen zu können.

    “Abzumerken” habe ich dazu allerdings wohl kaum etwas.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    M.G.

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