Verfassungsschutz wählen?

Ich wurde gefragt, ob ich die NPD wählen wolle.

Ich verneinte und nannte auf weitere Nachfrage höflich Gründe.

Danach dachte ich aber noch einmal nach, wie das so meine bedenkliche Art ist, und kam auf einen Gesichtspunkt, der mir zwar schon lange im Hirn herumgeistert, denn ich indes zuvor in dieser Trennschärfe nicht erfasst hatte.

Da bekanntlich ein großer Teil (nur in Köln und Berlin weiß man wer und den genauen Prozentsatz) der führenden NPD-Leute für den Verfassungsschutz tätig ist, jedenfalls mehr Führungspersonal als in jeder anderen zugelassenen Partei, wählte ich doch mit der NPD den Verfassungsschutz gewissermaßen selbst, drückte also am besten meine verfassungsmäßig-demokratische Gesinnung aus und hülfe damit der guten Sache mit dem größten Nachdruck.

Der Gedanke, in meiner Verfassungstreue so weit zu gehen, bereitete mir natürlich Bauchschmerzen; indes wäre es mir doch eindeutig durch keine andere Partei möglich, mehr Verfassungschutz zu wählen und demokratisch zu befördern als durch diese.

Mir wurde ein wenig schwindlig bei dem Gedanken, das gebe ich unumwunden zu.

Doch eine andere Partei wählen, also deutlich weniger Verfassungsschutz?

Gar nicht wählen, also  g a r  k e i n e n  Verfassungsschutz?

Ich war ratlos.

Also befrug ich meine Tarot-Karten, was zu tun sei.

Ich zog “Die Königin der Schwerter” sowie “Das Aeon”.

Ich interpretierte die Karten so, dass sich dieses  Zeitalter sozusagen politisch selbst enthaupte.

Das leuchtete mir zumal angesichts der Finanzkrise und der Nichtrezepte dagegen schlagartig ein.

Also muss ich das umfässlichste demokratische Verfassungsschutzangebot gar nicht wählen.

Manchmal freut man sich wirklich wie ein Kind, wenn man seine ursprüngliche Meinung selbst nach der kritischsten Überprüfung bestätigt sieht.

P.S.: Der Gedanke, eigens beim Verfassungsschutz anzuheuern, um für diesen im Schutzauftrag für mein Vaterland NPD-Karriere zu machen, kam mir auch kurz in den Sinn; mir wurde aber bald klar, dass die mich nicht nehmen würden, denn ich schreibe nicht nur Satiren (damit automatisch verdächtige Texte) sondern auch noch Aphorismen. Und da beim Verfassungsschutz wahrscheinlich keiner bis maximal einer weiß, was das ist, und diese Leute außer ihren eigenen Geheimnissen sonst berufsbedingt überhaupt keine anderen leiden können, wohl auch keine Lust verspüren, eigens wegen meiner Wenigkeit ein neues Handbuch für alle Mitarbeiter zu schreiben (wahrscheinlich heißt es heute ohnehin “Field Manual”, damit es jeder Depp versteht), ließ ich diese Überlegung schnell fallen.

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