Arme Christen?

Setzen wir einmal den Fall, ich lästerte hier maßlos über Jesus, das Kreuz (das ohne die Haken), das Christentum insgesamt ab, gewürzt mit allerlei Blutallegorien und Anprangerung sexueller Perversion etc. etc.: Es geschähe gar nichts, außer dass ich vielleicht ein paar Leser verlöre und möglicherweise dafür ein paar gewänne.

Täte ich Ähnliches und nähme mir dabei Mohammed und den Islam entsprechend zur Brust, so hätte ich so sicher wie das Amen in der Kirche Morddrohungen am Hals, an denen ich sozusagen “selbst schuld” wäre, da ich ja hätte wissen müssen, dass man nicht so einfach die Gefühle der sublimen Muslime verletzen kann, und würde wohl auch sonst in jeder erdenklichen Art geschmäht.

Fiele mir schließlich ein, in vergleichbarer Weise über den mosaischen Glauben, das Judentum, herzuziehen, ich hätte damit zu rechnen, 5 Jahre ins Gefängnis zu kommen.

Wäre ich Christ, so gefiele mir diese extrem diskriminierende Kunst- bzw. Meinungsfreiheit gegenüber meiner Religion natürlich auch nicht; ob ich meinerseits Morddrohungen oder gar verübten Mord (siehe van Gogh in Holland) gegen Christentumsverspötter als angebracht und gerechtfertigt hielte, oder wahlweise Zuchthaus wegen “Volksverhetzung”, lasse ich mal dahingestellt: Ziemlich verarscht käme ich mir aber doch vor, wenn ich mitansehen müsste, wie die anderen beiden Religionsveranstaltungen einen eindeutigen gesellschaftlichen wie strafrechtlichen Sonderstatus genießen.

Mein Mitleiden mit den dergestalt betroffenen Christen hält sich gleichwohl in engen Grenzen.

Dies nicht nur wegen der unrühmlichen Kriminalgeschichte des Christentums selbst, sondern weil die Christen und ihre Kirchen sich es einfach gefallen lassen, Mohammedanern und Juden diese Vormachtstellung eingeräumt zu sehen.

So habe ich noch von keinem Kirchenvertreter oder CDU-Oberchristen je gehört, dass alles, was gegen Jesus oder das Kreuz mindestens seit Friedrich Nietzsche in Deutschland zulässig ist, genauso gegen den Islam und das Judentum als freie Meinung erlaubt und von der Staatsmacht mit allen Mitteln geschützt werden sollte.

Deshalb gönne ich es den Christen von ganzem Herzen, gegenüber den beiden anderen abrahamitischen Konfessionen in diesem Sinne minderprivilegiert zu sein; vielleicht lernen sie ja mal etwas daraus; ansonsten müssen sie sich eben mit der immerhin noch erheblichen Privilegierung (z.B. durch Kirchensteuer, Medien, Kindergärten, Religionsunterricht etc.) gegenüber Heiden, Atheisten, Agnostikern, Hindus, Buddhisten usw. begnügen.

Eine Bronzemedaille ist immerhin auch etwas, man darf mit aufs Treppchen.

Außerdem können Christen sich ja auch noch damit trösten, dass sie nicht nur Wein trinken dürfen und eine Wurst dazu essen und gar unkoschere Lasagne (Fleischiges mit Milchigem), sondern auch, dass sie so oft beten dürfen, wie sie wollen, und als Knaben überdies am Geschlecht nicht ungefragt beschnitten, also legal verstümmelt werden.

Always look on the bright side of life!

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