Wünschen II

Gestern Abend habe ich mir gewünscht, heute Morgen ohne Kater aufzuwachen.

Stellen Sie sich vor, ab jetzt glaube ich an die Kraft des Wünschens, denn es hat wundersamerweise auf Anhieb geklappt.

Und dies obwohl ich, um das Universum einmal ernsthaft und gründlich auf seine Großzügigkeit hin zu testen, deutlich mehr als die übliche halbe Flasche 2005er Chateau Margaux in mich eingoss, und dies vom billigsten Aldi-Stengelheimer, damit im Erfolgsfalle keinerlei Zweifel aufkämen.

Nun frage ich mich, was man überhaupt gegen die eigene Gesundheit ausrichten kann, wenn man sich gesund wünscht.

Zwar traue ich mich noch nicht, wie ein gläubiger Schiit am Ashura-Fest gestoßene Neonröhren mit Rasierklingenbruch in Kalbsaspik zu verzehren, aber ich glaube seit heute Morgen, dass ein kompetenter Wünscher so etwas überleben kann, zumal wenn es ihm auch noch schmeckt.

Vom Universum als Dichter ein angemessenes Auskommen als solcher mir zu wünschen, traue ich mich jedoch noch immer nicht.

Hintergrund dafür bietet nicht nur der logische Schluss des letzten Artikels sondern auch die Tatsache, dass ein Heinrich von Kleist als Enddreißiger wegen relativer Erfolgslosigkeit den Freitod wählte, des Weiterwünschens überdrüssig.

Auch das halkyonische Lachen Friedrich Nietzsches darüber, dass “Also sprach Zarathustra” im ersten Jahre nur zweihundertmal verkauft wurde, obwohl das halbe gelehrte Europa bereits über den deutschen Sonderling stritt, gellt mir in den Ohren.

Dass Friedrich Schiller oft nicht einmal Geld für Schnupftabak und seinen geliebten Weißburgunder hatte, macht die Sache nicht besser.

Schließlich sei noch Cervantes erwähnt, der erst in hohem Alter endlich eine Apanage von seinem Gönner, dem damit unsterblichen Conde de Lemos, erhielt.

Goethe zählt in dem Zusammenhang natürlich nicht, denn der hatte schon von zuhause aus immer genug für seinen Steinwein.

Zudem war Goethe ein Schleimer und Freimaurer, und bei dieser Sorte Dichter macht das Universum anscheinend Ausnahmen.

Ich wünsche mir jetzt einfach für nachher ein interessantes Redaktionsgespräch, wie beim “ZeitGeist” ausnahmslos regelhaft.

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