Wünschen statt Beten

Offenkundig habe ich bis vor kurzem übersehen, welche Dimension die “Wunschbewegung” angenommen hat. Bis ich einen “Beseelten” traf, den ich schon länger kenne, aber nicht mehr so oft sehe.

Er stieß mich nicht nur darauf, wie viele Leute heute wünschen statt wie früher üblich zu beten, sondern auf mehr.

Die Tatsache, dass in meinem Leben nicht alles glatt gelaufen ist, kann nur daraus zu erklären sein – er sagte es nicht, ich folgere so – , dass ich bisher ein zu schlechter Wünscher war.

Da fühle ich mich natürlich gleich nicht so gut, oder, wie man heute sagt, suboptimal.

Jetzt aber kann ich mit dem Wünschen ja so richtig anfangen, dies zu tilgen und alles zu bekommen.

Keine Sorge, ich wünsche nicht, Bundeskanzlerin zu werden oder einen bestimmten Weinkeller in meinen Besitz, ich wünsche mir nur, die Gunst eines Supermodels zu erwerben.

Dummerweise sagt mir mein Verstand, dass dieser hehre Wunsch auch anderen Zeitgenossen eignet, ich mit diesen beim Wünschen also genauso in zwangsläufige Konkurrenz trete wie bei anderen banalen Wünschen, die sich auf knappe Güter beziehen.

Damit wird mir mein Wünschen diesbezüglich bereits etwas vergällt; ich wünsche mir nicht, einem anderen anständigen Wünscher durch selbstbewussteres und frecheres Wünschen etwas abzuwünschen, das wäre ja unfair.

Auch die Fälle, in denen nur wesentlich weniger Leute um die Wette wünschen, wie beispielsweise, dass auch ein Dichter sein Auskommen haben sollte, bringen mich nur dahin, dass wir entweder viel zu viele Dichter neben all den Bänkern auch noch zu bezahlen hätten, wenn alle gekonnt wünschten, oder dass da das Universum selber zu streiken anfinge, da es sich nicht einmal von Dichtern foppen lässt.

Dass das Universum von Dichtern keine Reklamationen annimmt, ist seit Jahrtausenden bekannt.

Warum aber von jedem Toren?

Was hat das Universum ausgerechnet gegen Dichter?

Dafür gibt es eine so einfache wie für die Dichter traurige Erklärung.

Die Dichter schaffen sich eigene Welten, und deshalb ist das Universum beleidigt und rächt sich.

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