Von den Leugnern und dem Es

Dem alten Wort “leugnen” begegnen wir heute fast nur noch im Zusammenhang mit dem Holocaust: gerade so, als heischte es allein diesbezüglich einer sinnvollen Verortung.

Dabei ist eine andere Sorte von Leugnern, von lügenden Leugnern – denn “Leugnen” bedeutet zunächst bestreiten – heute weitaus wirkmächtiger obenauf. Der Bogen spannt sich von Bänkern über Ökonomen und Politiker bis hin zu Journalisten und Priestern.

Sie alle nämlich leugnen standhaft, für die Weltwirtschaftskrise aus dem Finanzschwindel heraus selbst eine entscheidende Verantwortung zu tragen, Freispruch bitte! – : “Es” geschah eben einfach so. Wer oder was bitteschön aber ist “Es”? – Wäre es “das System”, so gehörte es abgeschafft. Davon wiederum spricht von den “Es”-Verantwortlichmachern eben auch keiner. Wohlwissend oder instinktiv gesetzt, “Es” wird von jenen verkörpert und soll “Es” bleiben.

So nährt dieses “Es” seine Nutznießer auch weiterhin bestens, während die Unbedarften, welche das behauptete “Es” bis heute nicht zu fassen vermögen, dafür oft selbst im Wortsinne bluten dürfen.

Jenes “Es”, so erzählt man uns jetzt die neue Mär, wurde von einer Art Dämon befallen, gegen den die “Ese” dieser Welt noch nie gefeit waren und gegen den kein “Es” je immun sein könne.

Alsomit könne auch weder dem aktuellen “Es” noch seinen vorgenannten Trägern irgendein ernstlicher, entsprechende Folgen zeitigender Vorwurf gemacht werden. Versucht wird ergo, die perfekte Weißwaschung des ganzen verhängnisvoll fetten Es-Gesindels.

“Selbst jeder gemeine Arbeiter”, so tönt das Es jetzt, “wollte doch nur maximale Rendite! Wie kann ausgerechnet so einer sich jetzt über den Verlust seines Arbeitsplatzes und sozialen Abstieg beklagen! Wir gaben ihm doch nur, was er wollte!”

Ja, die Hohlheit dieser und anderer Lügen wird im Volke wohl erkannt, auch deren abgefeimte Wohlfeilheit.

Auch droht das Es dem Volke jetzt bei Unbotmäßigkeit ganz direkt mit seinem, dem allgemeinen Untergang; und noch sitzt die Drohung, denn noch hat es etwas zu verlieren; und es zweifelt kaum noch daran, dass es dies auch noch an das Es verlieren könnte. Also hält es noch still, lässt Es weiter gewähren. Noch.

Die Zeit des Es läuft allerdings ab. Es kauft sich das Es durch nochmals neue Schulden nochmals etwas Zeit und hofft dabei auf ein Schuldenwunder. Teile des Es jedoch lachen dabei sogar noch und geilen schon gierig mit fiebrigen Fingern auf die Große Inflation, also die Enteignung des Mittelstandes zu ihren Gunsten auf die Es-übliche Art.

Immerhin, die Geschlossenheit des Es bröckelt; in seiner Not flüchtet es sich teils schon in nationale Sozialismen. Natürlich nur zum beruhigenden Schein, aber so was ging schon (einmal) schief. Nur beinahe schief natürlich, besser gesagt, für das Es, denn der folgende Weltkrieg wurde zwar weniger militärisch, doch allemal finanziell und ideologisch schlussendlich grandios gewonnen. Zunächst.

Diesmal aber hat das Es vielleicht Pech. In all seinem eifrig strebenden Bemühn. Nur lauter kleine, schmutzige, teuere, vernutzende, wenig motivierende Kriege weiß es anzuzetteln, hat dabei kaum lukrative Besserung in Sicht. Auch dadurch entgleitet es, das Es, Schritt um Schritt sich selbst.

Der Exitus des Es erfolgt endlich durch Millionen Ichs und deren Es-frei gewonnene Wirs. Haben Sie schon einmal ein Es gesehen? – Eins, das sprechen, leugnen, lügen konnte?

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